Erleichtern APPs das »Leben«?
Manche Menschen zappen sich durch TV-Kanäle, andere „appen“ sich mittlerweile durchs Leben. Eine APP macht das Leben so viel leichter und bequemer, viele APPs …? Nun, jedenfalls ist besonders bei Einkaufs-APPs allerlei miteinander verknüpft, vom wöchentlichen Prospekt mit Angeboten zum Gucken und Aussuchen, sofortigem Speichern per Fingertipp für die Einkaufsliste, damit beim nächsten Shopping auch nichts vergessen wird, bis hin zur abschließenden Zahlung per Lastschrift. Überall sind sie unterwegs, die Menschen mit ihren Mobilgeräten in der einen Hand, während sie mit der anderen den Einkaufswagen schieben. Womöglich wächst manchem das Smart- oder iPhone irgendwann in der Hand fest, überlegte ich neulich – oder es wird als Chip implantiert? Wer weiß, wie weit der Fortschritt noch in unser Leben eingreifen wird …
Einkaufs„erlebnis“
Mit mehr als gemischtem Gefühl beobachte ich Woche für Woche beim Einkauf im Discounter oder Supermarkt wie Kunden eine Hand stets „besetzt“ vom Smart-/iPhone mit sich herumtragen, ihre Blicke vom Display zum Regal und zurück wandern. An der Kasse treffe ich den einen oder anderen wieder.
Kassierer-Standardfrage: »Haben Sie unsere xxx-APP?«
Kunden-(fast)Standardantwort: »Aber sicher.«
Der QR-Code (vermute ich, ich guck ja dem Kunden nicht über die Schulter) wird eingescannt wie die eingekauften Produkte und am Schluss: »Möchten Sie mit der xxx-APP zahlen?«
Die (fast)-Standardantwort erübrigt sich an dieser Stelle. Meistens.
Ich stehe in der Schlange, noch das gelbe Post-It mit meiner handgeschriebenen Einkaufsliste in der Hand, und frage mich, ob dieser Kunde angesichts eines hoch vollgepackten Einkaufswagens und entsprechendem Zahlungsbetrag auch seinen Kontostand im Hinterkopf hat. Und als über Rabatte gesprochen wird, höre ich Centbeträge, die sich (O-Ton Kunde) »aber bei jedem Einkauf summieren und irgendwann …«
Soweit zu meinem wöchentlichen Einkaufserlebnis.
Ungerechtigkeit
Irgendeine Woche später stehe ich an der Kühltheke beim Discounter auf der Suche nach Butter. Da entdecke ich zum ersten Mal, dass verschiedene Produkte mit zwei Preisen ausgezeichnet sind. Klar, denke ich im ersten Augenblick, manche sind ja im Angebot. Doch als ich genauer hinschaue, erkenne ich, dass beide Preise gelten. Nanu? Ich lese den kleinen Hinweis, dass der günstigere Preis nur für Kunden mit der xxx-APP gilt. Im Fall der Butter betrug der Preisunterschied sage und schreibe 21 Cent. Da hab ich mal kurz geschluckt. – Und die Butter im Regal gelassen.
Beim weiteren Einkaufen fallen mir noch mehr Preisetiketten auf, bei denen es ähnlich ist. Der günstigere Preis gilt nur für die Kunden mit der xxx-APP.
Bitte nicht falsch verstehen, ich bin durchaus für Fortschritt. Als die Handys Einzug hielten erkannte ich schnell, welche Vorteile das mit sich bringt. Dass es allerdings inzwischen zu einer Art externem Gehirn mutiert … Nein, ich will meine Gedanken zur Handynutzung jetzt nicht weiter ausführen – aber demnächst mal 🤓.
Heute beschränke ich mich auf: Einkaufs-APPs – ist das wirklich Fortschritt?
Ich fühlte mich ungerecht behandelt, weil der Discounter mir den günstigeren Preis für die Butter nur gewährt, wenn ich bereit bin, mir seine APP auf mein Smartphone zu pflastern. Die Absicht dahinter ist ja klar: Kundenbindung. Discounter-wunschgemäß soll ich veranlasst werden, nur noch bei ihm einzukaufen und nur dann die 21 Cent am 250 g Butter-Päckchen einsparen zu dürfen – ein Artikel, den ich bestenfalls alle 4–6 Wochen einmal benötige.
Dass ich diese APP nicht brauche, kann ich konkret begründen: Die meisten, der per APP-Nutzung rabattierten Artikel brauche ich gar nicht, da sie nicht auf meinem Speiseplan stehen, sofern es ums Essen und Trinken geht, und andere Produkte mit APP-Rabatt in meinem Haushalt überhaupt nicht erforderlich sind.
Noch ein Und: Bezahlen würde ich mit einer solchen APP unter gar keinen Umständen. Zu schnell hat mancher hier und da und dort mal eben die APP gezückt und gezahlt … Ich erinnere mich gut an Bekannte, die das bequeme Bezahlen mit der EC-Card zu weit trieben, bis der Dispo ihrer Konten nichts mehr hergab. Der Anschauungsunterricht hat mir genügt, mich anders zu verhalten. Deshalb: Nur in Ausnahmefällen zahle ich mit der EC-Card und garantiert niemals mit einer APP.
Das ist einfach Prinzip. Punkt.
Umdenken
Von diesem seltsamen Einkaufserlebnis und meiner Einstellung zur grassierenden APP-Nutzung erzählte ich meiner Tochter. Die hörte sich alles in Ruhe an, stimmte teilweise zu, hatte aber dennoch Argumente für eine Einkaufs-APP. Ich schätze ihre klare Sicht und gesundkritische Haltung stets und hörte meinerseits aufmerksam zu.
Sie berichtete von sich selbst: APP vom Discounter, meinte sie, nein. Begründung: Sie kaufe zu selten bei einem solchen ein. Zudem habe sie bestätigt gefunden, dass es die Discounter-Lüge tatsächlich gibt. Am Ende hätte ihrer mehrfachen Erfahrung nach die Differenz zwischen Discounter- und Supermarkt-Shopping nur etwa 10 Cent zugunsten des Discounters ausgemacht. Auch ziehe sie das Einkaufen im klassischen Supermarkt vor, weil ihr die Atmosphäre besser gefiele und das Personal kompetent, hilfsbereit und nett sei. Was sie auch schätze: das Rabattsystem über die von ihr bevorzugte Supermarkt-APP. Das funktioniere wie das frühere Rabattmarken-System, nur dass man heutzutage nicht mehr kleben müsse. Die APP registriere den Einkauf und sie könne die summierten Rabatte irgendwann für von ihr gewünschte Produkte einsetzen oder sich sogar ein besonderes Angebot ohne Zuzahlung leisten.
Das hörte sich für mich sinnvoll an. – Anders als bei – das muss ich nun namentlich erwähnen – Payback. Wo ich mit der Payback-Karte (!) Punkte sammele. Alles gut und schön, allerdings hatte ich schon Tausende von Punkten auf meinem Payback-Account, machte dann aber beim Einlösen immer wieder die Erfahrung, dass ich für wirklich interessante Produkte noch tüchtig draufzahlen sollte. Deswegen lasse ich mir den Gegenwert gesammelter Pünktchen regelmäßig auszahlen.
Sollte ich umdenken?
Okay, die APP des von meiner Tochter bevorzugten Supermarktes erscheint mir sinnvoll. Damit lässt sich sogar die Einkaufsliste erstellen, und dann schlendert man mit dem Smart-/iPhone in der Hand durch den Markt und kauft ein. Das würde mir nicht zusagen – aber ich muss es ja nicht. 🙂
Anmerkung: Eine Erläuterung, warum ich es liebe, ganz altmodisch Einkaufslisten zu schreiben, liefere ich irgendwann in einem Beitrag über den Sinn und die Bedeutung des Schreibens »von Hand«.
Fazit
Diese eine APP habe ich nun tatsächlich installiert. Benutzt habe ich sie noch nicht. Die für mich infrage kommenden Vorteile konnte ich aus Zeitgründen noch nicht herausfiltern. Denn von der Einfachheit des Ganzen lasse ich mich nicht durch den Anbieter überzeugen, sondern durch eigene Erfahrung.
Ihr fragt euch vielleicht (und sogar kopfschüttelnd), warum ich jetzt nicht auch andere Einkaufs-APPs auf mein Handy lade. Da ich doch schon die eine habe … Und wie kann ich denn die guten Angebote nicht nutzen wollen?
Angebote ist das Stichwort. Ich renne grundsätzlich nicht jedem Angebot hinterher. Insofern habe ich wenige Anlaufstellen, wo ich meine Einkäufe tätige. Eine ist der Supermarkt, von dem ich nun die APP habe. Dieser Markt bietet häufig genau die Produkte, die ich in meinem Haushalt verwende. Und das meine ich damit, dass Fortschritt seinem Sinn entsprechend genutzt werden soll. Jeder Einzelne ist aufgefordert, diesen Sinn für sich zu erkennen und das Maß der Nutzung individuell festzulegen.
Das setzt Bewusstsein für den Bedarf und klares Denken voraus. Vielleicht ist das ja der Grund, warum so viele Menschen so viele APPs mit sich herumschleppen?
Das Beitragsfoto stammt von Sunriseforever bei Pixabay.
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